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Details Behinderte und Sexualassistenz

Noch ist Sexualassistenz ein Nischenthema, aber die Angebote nehmen in westlichen Gesellschaften zu, und auch die öffentlichen Diskussionen werden lauter. Da Menschen mit Behinderung dieselben grundlegenden Rechte zustehen wie Menschen ohne Behinderung, dürfen sie auch ein eigenes Sexualleben gestalten. Allerdings kommt es aufgrund der Behinderungen oft zu Schwierigkeiten: Nicht jeder behinderte Mensch hat einen Lebenspartner, die Erfahrung von Körperlichkeit kann sehr stark variieren, und auch körperliche Beeinträchtigungen spielen eine Rolle. Hier knüpft die Sexualassistenz an. Es handelt sich um eine begleitende Form sexueller Handlungen.

Sex gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Der liebevolle Austausch, die intime Nähe und die knisternde Spannung sorgen für nachhaltige Befriedigung und Entspannung. Sex ist für die Gesundheit genauso wichtig wie für das persönliche Wohlbefinden. Menschen mit einer Behinderung können zwar auch gewöhnliche sexuelle Erfahrungen gesammelt haben, oftmals ist es aber so, dass sie aufgrund ihrer Beeinträchtigungen nur wenige sexuelle Erfahrungen haben. Aber nicht nur Menschen mit Behinderung, auch gesunde Menschen können im sexuellen Bereich mit Problemen konfrontiert werden, die mit einer Sexualassistenz lösbar sind.

Was ist Sexualassistenz im Allgemeinen?

Die Sexualassistenz hat nichts mit Prostitution oder ähnlichen Angeboten zu tun. Es handelt sich um eine zwischenmenschliche Beziehung, in der die Sexarbeiter nicht tätig werden, um temporäre Bedürfnisse von Kundinnen oder Kunden zu befriedigen, sondern um gemeinsam sexuelle Handlungen vorzunehmen und so die Kundinnen und Kunden seelisch und emotional zu sichern und zu tragen. Die sexuelle Praxis ist lediglich ein Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck. Es muss nicht zwingend zum Geschlechtsverkehr kommen. Die Sexualassistenz dient dem Bereitstellen von Wirkungen partnerschaftlich erlebter Sexualität. Es kann oft schon reichen, sexuelle Erfahrungen zu teilen. Sexualassistenz wirkt aber auch therapeutisch, so etwa in der Überwindung von Angst vor zu viel Nähe, im Ablegen von zu starker Schüchternheit oder in der Förderung von Körperlichkeit und im Zulassen intimer Gefühle sich und jemand anderem gegenüber. Hierbei ist wichtig zu sagen, dass die Sexualassistenz keine Störungen mit Krankheitswert behandelt. Die Assistentinnen und Assistenten sind auch nicht immer therapeutisch geschult. Dennoch sind nachhaltige positive Effekte im emotionalen und mentalen Bereich möglich und werden angestrebt.

Sexualität mit behinderten Menschen

Die Sexualassistenz steht zwar grundsätzlich allen Menschen offen. Besonders wird sie aber von Menschen mit Behinderung in Anspruch genommen. Ziel ist es, ihnen einen Zugang zu partnerschaftlicher Sexualität wie sie bei nichtbehinderten Menschen stattfindet, zu öffnen. Da die Sexualität von Behinderten noch immer oft als Tabu wahrgenommen wird, kann der Gang zur Sexualassistenz zunächst mit Stress, Aufregung oder Nervosität verbunden sein. Die Sexualbegleitung zielt darauf ab, Menschen, die nicht mehr selbstständig in der Lage sind, erotisch-sinnliche Erlebnisse zu vermitteln. Nähe und Geborgenheit, Sicherheit und Erfahrungsaustausch stehen im Vordergrund. Die Sexualassistenz kann aus Streicheln bestehen, sie kann Hilfestellung bei Selbstbefriedigung sein, sie kann Petting umfassen, sie kann Massage beinhalten, sie kann aber auch Geschlechtsverkehr sein. Die Grenzen und Möglichkeiten hängen immer vom Einzelfall ab, dem Verhältnis zwischen den Klientinnen und Klienten und den Sexualbegleiterinnen und Sexualbegleitern. Nicht alle Begleiterinnen und Begleiter bieten Zungenküsse oder Geschlechtsverkehr an. Deshalb sind genaue Absprachen im Vorfeld wichtig, damit alle Beteiligten wissen, worauf sie sich einlassen.

Für viele Menschen mit Behinderung ist Sexualassistenz die einzige Möglichkeit, sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Auch wenn es sich um eine bezahlte Leistung handelt, sollte die Beziehung, die so entsteht, nicht rein kommerziell betrachtet werden. Die Begleiterinnen und Begleiter schenken den Kundinnen und Kunden Momente der Hingabe, der emotionalen Nähe und der zärtlichen Körperlichkeit. Die Menschen mit Behinderung sollen so nicht nur den Zugang zu partnerschaftlicher Nähe erhalten, sondern vor allem auch Erfahrungen mit ihren eigenen Körpern und Emotionen sammeln.